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Auszeit! Von Ostseewellen und -villen – frischreif

Auszeit! Von Ostseewellen und -villen

2015: Drei Monate Auszeit, von der Ostsee bis zum Gardasee, liegen hinter mir. Sie sind zwar wie im Fluge vergangen, haben aber nachhaltige Eindrücke hinterlassen. Unter anderem im Bereich Kommunikation.

Anfang Juli war ich mit einem vollbepackten Auto gen Norden gestartet: Kühlungsborn, Börgerende, Usedom, Juliusruh und Binz – das waren meine fünf Stationen an der Ostsee. Von dort ging es im September gen Süden nach Südtirol und an den Gardasee.

Mein Auszeit-Anfängerinnenfehler: Um mich an jedem Ort komfortabel zu fühlen, hatte ich ungefähr so viel Gepäck dabei wie für eine dreimonatige Expedition in die Wüste. Natürlich blieb ein Grossteil der Kleidung für alle Wetter- und Lebenslagen ungenutzt. Wider Erwarten hatte ich zwei Monate praktisch nur gutes Wetter an der Ostsee. Sonne satt von morgens früh bis abends. Zudem gab es an allen fünf Stationen meiner Reise eine Waschmaschine im Haus. Neben den Klamotten und Schuhen, Wanderschuhen, Indoor-Turnschuhen, Joggingschuhen begleiteten mich ein Matcha-Tee-Set, ein Mini-Blender für die grünen Smoothies, eine Salatschleuder, ein Sparschäler, eine Gemüsereibe, eine Personenwaage, eine Nespresso-Maschine mit entsprechendem Kapsel-Vorrat (ich wähnte Deutschland noch auf dem Filterkaffeeniveau, dabei hatten 3 von 5 Wohnungen eine Espresso-Maschine), eine Kollektion Bio-Gewürze, eine Kiste Bio-Wein, eine Kühltasche …. Das Ganze hatte jedoch den Vorteil, dass ich in Anbetracht meines übervollen Autos absolut shoppingresistent war! Und das trotz allseits präsenten „Sommerschlussverkauf“-Bannern: nicht ein Paar Schuhe, nicht ein T-Shirt, gar nichts habe ich gekauft. Ausser leckere und gesunde Bio-Lebensmittel, vorzugsweise in Hofläden. Dabei habe ich interessante Menschen kennen gelernt. Denn solche Bio-Läden in Mecklenburg-Vorpommern (kurz Meck-Pomm) aufzuspüren, erforderte schon eine gewisse Recherche-Arbeit. Das war mir jedoch lieber, als meinen Fuss in irgendeinen öden Netto-Markendiskount oder Lidl zu setzen, die von morgens bis abends regen Zulauf hatten. Zudem konnte ich die „Jagdausflüge“ mit Radtouren verbinden – und dabei nette kleine Cafés entdecken, wo ich mich mit einer sensationell guten Mohntorte belohnen konnte. Auch da gilt: Wenn man die gängigen Bäckerei-Ketten und Grosskonditoreien meidet, bekommt man sensationell guten Kuchen, der wie früher schmeckt.

Umgeben war ich von Menschen, die permanent shoppen: Schuhe, Klamotten, Mitbringsel, Strandutensilien. Die Geschäfte sind immer bis 20.00 Uhr geöffnet, selbst am Sonntag ist ab mittags auf. Am Strand liegen, einkaufen, essen – das scheint die Hauptferienbeschäftigung der Deutschen zu sein. In den Ostseebädern liegt eine Boutique neben der anderen, die meisten gespickt mit „Sales“ oder „Markenoutlet“-Schildern, was offenbar die magische Anziehung noch erhöht und einen Schnäppchen-Reflex im Gehirn auslöst. Als Alleinreisende fallen einem dabei natürlich besonders die unzähligen Paare auf, bei denen die Frauen zwanghaft von einem Laden in den anderen „bummeln“ und die Männer wie bestellt und nicht abgeholt vor der Tür warten oder allenfalls in der Boutique auf einem Stuhl sitzen und geduldig die Gattin in verschiedenen Outfits an sich vorbei defilieren lassen. Ich selbst wurde Zeugin einer solchen Szene, als ich ein einziges Mal überhaupt eine Boutique betreten habe. Dies geschah mehr aus Neugier, denn im Erdgeschoss meiner Wohnung „Meerjungfrau“ in der Villa an der Binzer Strandpromenade befand sich eine Boutique mit dem schönen Namen „EXpresso“ (sic!). Das Angebot bestand überwiegend aus Kleidern und Oberteilen einer deutschen Marke, die sogar in Deutschland produziert, offensichtlich spezialisiert auf Jerseystoff mit Blumen- und Punktmuster, letztere für meinen Geschmack etwas zu gross, was allen Teilen einen Pyjama-Touch gab. Eine beflissene „Verkaufsberaterin“ scharwenzelte gerade um eine gepflegte Dame im besten Alter und mit guter Figur herum, die sich mit der Qual der Wahl zwischen einem gross gepunkteten Kleid in Grün, Blau, Gelb, Magenta oder Rot herumschlug. Als genialen Schachzug hatte die Verkäuferin den Mann auf einem Stuhl platziert und mit einem Espresso ruhig gestellt. Von dort gab er Tipps wie: „Also, ich fand, das Grüne stand dir besser.“ Vermutlich, um den Entscheidungsprozess zu verkürzen, denn im Grunde war es ihm egal, welches weitere Kleid nun neben den unzähligen Vorhandenen noch im Kleiderschrank der Gattin hängen würde. In Tat und Wahrheit sah nämlich jedes dieser Kleider, unabhängig von der Farbe, an der Dame gleich schlecht aus. Im besten Fall wie ein billiges Strandkleid von H&M, nicht aber wie ein Kleid für 300 Euro oder mehr. Nur schwer konnte ich mir verkneifen zu sagen: „Lassen Sie es. Das ist nicht Ihr Stil.“ Um dies zu vermeiden, verliess ich den Laden schnellstens. Zum Glück hatte sich die „Beraterin“ mir sowieso nur kurz zugewandt und offensichtlich gleich gespürt, dass mit mir kein Geld zu verdienen war.

Eine ganz besondere Anziehungskraft haben Boutiquen mit den gängigen Designer-Labels. Auch hier darf das %-Zeichen nicht fehlen und schon kaufen die Leute hässliche Sachen, für die sich während der Saison niemand erwärmen konnte. Hauptsache Label, Hauptsache Schnäppchen.

Auch gegessen wird rund um die Uhr: morgens zum Bäcker und erst einmal Schlange stehen für ein paar pappige Brötchen: Schrippen und Croissants, dazu die Bild-Zeitung. Das ist die Standardbestellung. Eine Weile nach dem Frühstück gibt es ein Eis, ein Fischbrötchen, eine Currywurst, eine Thüringer oder eine Bockwurst. Später auf jeden Fall Kaffee und Kuchen, bevor es zum Abendessen geht. Irgendwas mit Fisch und dazu auf jeden Fall Bratkartoffeln. Wer was auf sich hält, geht in Binz auf Rügen zu Gosch. Binz ist quasi das Sylt Rügens und der Sylter Nobelimbiss hat eine Filiale direkt am Seebrückenvorplatz. Von morgens bis abends herrscht dort geschäftiges Treiben. Man gönnt sich ja sonst nichts. Und wenn es schon nicht für Sylt reicht, dann wenigstens ein Stück Sylter Schickimicki-Ambiente geniessen.

Ähnlich vornehm geht es kommunikativ am Strand zu und her. Offensichtlich haben gerade die Bundesländer Bayern und Nordrhein-Westfalen Ferien. Während ich im Strandkorb sitze und aufs Meer schaue oder lese, werde ich ungewollte Zeugin von Unterhaltungen wie:

„Wilhelm – kommst du bitte. Es ist Zeit zum Duschen.“ Dies näselt eine blonde Frau mit Pferdeschwanz, vom Typ „Beruf Gattin“, dezent geschminkt, dezente Designerklamotten, vorbildlicher Body. Ein circa zweijähriger Blondschopf mit T-Shirt, unten ohne, aber mit Kappe plus Nackenschutz kommt angetigert. Daneben eine Mutter-Oma-Kinder-Konstellation. Mutter, um die vierzig, Typ gestresste Powerfrau im Erholungsurlaub, die vergeblich und mit wachsender Aggression versucht, einen Buggy durch den Strand zu schieben und schreit: „Victoria, du hast jetzt Hunger. Wir müssen zum Mittagessen.“
Die Oma, offensichtlich aus dem Ruhrpott, zur anderen Enkelin: „Luise, willste nen Kroasangbrötchen?“

Die anderen Strandkörbe sind belegt mit Kleinkindern, die Julius, Phillip, Julian, Annaluise oder Katharina gerufen werden. Alle tragen Kappen mit Nackenschutz, sind aber ansonsten nackt.
Die älteren Kids heissen Marc, Lars, Sönke, Maibritt. Alle unten trendig bekleidet und oben ohne Kappen.

Anders ist es im Norden von Rügen, wo vor allem Bürgerinnen und Bürger der so genannten neuen Bundesländer Urlaub machen. Hier schallt es aus den Strandkörben: „Shakira, Chayenne, Penelope, Jayden, Mandy. “ Ein Mann, der sein Töchterchen auf den Schultern trägt, sagt: „Scheijenn, nu is juut. Hör ma uff!“

Kommunikation im Dienstleistungsbereich ist ebenfalls anders. Sie oszilliert zwischen sympathisch-ehrlich-ungekünstelt sowie absolut unsympathisch und unprofessionell. Sehr sympathisch fand ich, dass man sich wirklich Zeit zur Kommunikation nimmt, Interesse am Austausch zeigt und Dienstleistungen nicht auf das reine Verkaufsgeschäft reduziert, z.B. die Kosmetikerin, die mir die teurere Behandlung ausredet mit dem Argument, ich habe doch kaum Falten. Der nette Hausmeister, der immer Zeit hat für einen Schwatz über Gott und die Welt. Auf der anderen Seite der Monopol-Fahrradverleiher im Norden von Rügen, der mich regelrecht anschnauzt, als ich mein telefonisch reserviertes Fahrrad abholen will und die Rückgabe nach zwei Wochen völlig ohne Worte abwickelt.

Alles in allem waren meine zwei Monate an der Ostsee eine wunderbare Erfahrung. Sich treiben lassen durch den Tag ohne Termine und Verpflichtungen. Wahrnehmen und in sich hineinhorchen. Die eigenen Bedürfnisse wieder erkennen und für sich sorgen. Nicht minder bereichernd waren die Zeit in Südtirol und das Schreibseminar am Gardasee, in der Villa eines deutschen Schriftstellers.

Die wichtigste Erkenntnis, die ich mitgenommen habe: Zeit ist der grösste Luxus. Und von diesem Luxus gönne ich mir seitdem viel mehr! Oder wie es Seneca sagte: „Es ist nicht wenig Zeit, die wir haben, sondern viel Zeit, die wir nicht nutzen.“

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